Das Erzählen ist meine Kunst.
Das Zuhören wird zum Erlebnis!

Der Geisterarm

Geister sind nicht immer vollständig. Mal fallen sie in Einzelteilen durch den Kamin, mal rollt ein Kopf über den Boden, mal klappern nur die Knochen. Bei dem Geist, von dem ich euch erzählen werde, wird nur der Arm sichtbar. Mal zeigt er von der Decke herunter, mal kommt er direkt durch das Holz einer Türe oder eben wie in diesem Fall aus der Wand.
Dieser Arm zeigt sich nur der Familie MacKenzie, welche ihren Ursprung in Schottland hat, und er begleitet die Familie bis heute.
Er zeigt sich nur, wenn ein Todesfall bevorsteht und ist also eine Art Warnung. Eine zierliche Hand mit schlanken Fingern und sehr gepflegte Fingernägel – der Arm einer Geisterfrau.
Zu dem nun folgenden Vorfall habe ich leider weder Namen noch Datum gefunden.
Die Tochter einer alten Frau vom Clan der MacKenzie, ein Weib im besten Alter, erwachte eines Morgens, wusch sich, kleidetet sich an und machte sich auf, das Schlafgemach zu verlassen, um nach ihrer kranken Mutter zu schauen. Sie war gerade an die Tür getreten, als sie hinter sich ein lautes Krachen hörte. Verblüfft drehte sie sich um und sah, dass ein schwerer Kerzenständer zu Boden gefallen waren. Also machte sie kehrt und hob diesen vom Boden auf. Noch während sie sich fragte, wie das passiert sein konnte, sah sie eine weiße Hand, die sich langsam in die Wand zurückzog: eine zierliche Hand mit schlanken Fingern und sehr gepflegten Fingernägeln – die Hand der Geister-Frau. Die Tochter trat ein paar Schritte zurück und beobachtete, wie der Arm verschwand. Ganz offensichtlich hatte die Hand den Kerzenständer umgestoßen, um gesehen zu werden. Die Tochter wusste – wie alle aus dem Clan - um die Todes-Botschaft einer solchen Erscheinung. Und also packte sie eine eiskalte Angst um ihre Mutter und sie eilte an deren Bett. Doch wie durch ein Wunder war diese wohl auf und es schien, als sei alles nur ein Spuk gewesen. Alle waren froh und erleichtert, bis am selben Tag ein Brief eintraf: eine Cousine war gestorben.
Das war zwar schmerzlich, doch die Cousine war eine entfernte Verwandte nur, und also brach die Nachricht keine Herzen.
Wie die Tochter an diesem Abend am sich umgezogen hatte und sich vom Spiegel abwendend den Nachtmantel heruntergleiten ließ, spürte sie eine Hand auf Ihrer Schulter. Und wie sie sich umwandte, blickte sie in ihr eigenes Gesicht – totenbleich – während zärtlich eine zierliche Hand mit schlanken Fingern über ihre Wange strich …

Schottische Geistergeschichte, Erzählfassung Xenia Busam Dez. 2025


Meine Bitte an all diejenigen, die die Geschichte gelesen haben:

Bitte kreuzen Sie an, was für Sie zutrifft. Danke!

  Einfach schön ...   Die Geschichte berührt mich ...   Die Geschichte amüsiert mich ...   Die Geschichte bringt mich zum Nachdenken ...   Nichts von alledem ...


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